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Pengueen als interaktives Spielbrett für das Demokratie-Lernspiel QUARARO

18. August 2022

QUARARO das Demokratiespiel

Pengueen digitalisiert auf Initiative der Stadt Bedburg das Demokratie-Lernspiel Quararo

Demokratie ist gut und wichtig. Aber Demokratie ist längst nicht selbstverständlich. So kennen ältere Generationen in Deutschland und Menschen überall in der Welt ein Leben ohne Demokratie. Um so wichtiger ist es deshalb, der jungen Generation in Deutschland die Bedeutung einer demokratischen Gesellschaft näherzubringen. Und das am besten spielerisch.

Dafür ist das Demokratie-Lernspiel QUARARO entwickelt worden. Der Name leitet sich ab vom arabischen Qarar und dem türkischen Karar, was jeweils „entscheiden“ bedeutet. Und genau darum geht es bei QUARARO. Kinder und Jugendliche lernen, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch die Suche nach Mehrheiten, die durch Kompromisse für die eigene Sache gewonnen werden können. Ziel des Spiels ist es letztlich, eine Aufgabe als Gruppe gemeinsam zu lösen. Dabei gibt es keine richtige oder falsche Entscheidung. Vielmehr steht der Entscheidungsprozess der Gruppe im Mittelpunkt: Welche Entscheidungsform wählen die Spielenden? Welche Vor- und Nachteile erkennen die Spielenden darin? Wie wird die Meinung von Minderheiten im Entscheidungsprozess berücksichtigt? Fühlt sich jeder am Ende mit der getroffenen Entscheidung wohl?

Der Spielverlauf ist, wie auch die Prozesse in einer Demokratie, sehr komplex. Trotzdem haben beide eines gemeinsam: immer steht der Mensch im Mittelpunkt. Was jedoch tun, wenn die Menschen wegen strikter Kontaktbeschränkungen während einer Pandemie nicht mehr zusammenkommen und gemeinsam spielen können?

Mit dieser Herausforderung traten die Organisator:innen des Projektes „Bedburg lebt Demokratie” an Sascha Landowski, den Geschäftsführer von Pengueen heran. Er arbeitete in Bedburg bereits mit Stefanie Schoenen vom IBIS Institut zusammen und moderierte zunächst nur einen Workshop, der Jugendlichen wichtige Erkenntnisse zum Thema Digitalisierung und soziale Medien vermitteln sollte.

Ganz besonders aber wollte er den Jugendlichen selbst einfach nur zuhören und ihre Vorstellungen näher kennenlernen. Denn die jungen Erwachsenen nutzen soziale Medien und Onlineplattformen anders als die Generation vor ihnen. Auch unterscheiden sich ihre Ansichten über die Anbieter von digitalen Anwendungen, deren Features und den Datenschutz.

 „Die Jugendlichen haben heute bereits mehr digitale Kenntnisse und Fähigkeiten als die eigenen Eltern und wissen genau, was sie brauchen, wie sie etwas erlernen oder wen sie fragen müssen. 12-Jährige haben sich schon als Influencer etabliert, richten mit 16 Jahren eigene Server ein oder lesen Hardware aus. Sie sind als Digital Natives sehr sicher im Umgang mit den unterschiedlichsten Apps, Spielen und Plattformen”.

Sascha Landowski, Gründer und Geschäftsführer von Pengueen

Diese umfangreiche digitale Expertise lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen und die Jugendlichen mit ihren Kenntnissen auf diese Weise in gesellschaftliche Prozesse einbinden. Dafür wurde in Bedburg ein sogenanntes Netzlabor eingerichtet, in dem sie ihre Vorstellungen über den generellen Aufbau eines Netzwerks ebenso äußern konnten wie ihre jungen Ideen eines Netzwerks für ältere Menschen. Aus der reinen Theorie von „Bedburg lebt Demokratie” wurde dank Pengueen plötzlich gelebte Praxis.

Netzlabor Protokollbild des Workshops 2020

Netzlabor Protokollbild des Workshops 2020

Die flexible digitale Lösung von Pengueen ermöglichte es den Organisator:innen, das Demokratie-Lernspiel QUARARO trotz Lockdown und Abstandsregeln wie ein interaktives Spielbrett einzusetzen. Dabei diente Pengueen den Mitspielenden als technische Plattform zur Unterstützung des verbalen Austausches. Die Entscheidungen in den Gruppen können am Telefon oder über einen Messenger erfolgen, die Dokumentation der Spielzüge erfolgt in Pengueen.

Den Anstoß für diesen zunächst recht ungewöhnlichen Einsatz von Pengueen hatte Martina Knorr gegeben, ein Mitglied des Begleitausschusses in Bedburg. Sie hatte das Brettspiel entdeckt und in das Demokratie-Projekt der Stadt eingebracht: „Wenn man es spielt, entscheidet man und erlebt dabei Gruppendynamik, Meinungs- und Entscheidungsbildung. Mal ist man Meinungsmacher, manchmal Außenseiter. Das alles wird beim Spiel erlebt und thematisiert.” Letztlich geht es in dem Spiel darum, gemeinsam Entscheidungen zu treffen.

Während einer Präsentation von Pengueen hatte Martina Knorr die vielseitige Flexibilität der Plattform erkannt, die letztlich wie in einer realen Demokratie ständig neue Lösungen ermöglicht. So nahm sie Sascha Landowski im Bedburger Begleitausschuss beiseite und bat ihn, für das Demokratie-Lernspiel mithilfe von Pengueen eine Art interaktives Spielbrett zu entwickeln. Die virtuelle Lösung dokumentiert dabei im Spiel die demokratischen Prozesse wie Themenvorschläge, die Wahl des demokratischen Verfahrens und die Einigung der Gruppe beispielsweise zur Frage „Sind Frauen die besseren Autofahrerinnen?“

„Kennengelernt habe ich Pengueen, weil man hier in Bedburg Projekte für das Programm – Demokratie leben – über Pengueen beantragen kann. Für mich ist das besondere an Pengueen, dass es so flexibel ist. Und natürlich die tolle Begleitung und Beratung.”

Martina Knorr, Begleitausschuss der Stadt Bedburg

Dafür wird in Pengueen eine Kategorie oder ein Hilfsmittel angelegt. Die Spielleitung wählt das Themenfeld aus, zu dem gespielt werden soll und lädt über einen sogenannten Deeplink die Spielenden ein. Das ist mit einer E-Mail, über WhatsApp oder andere digitale Kanäle möglich. Ist die notwendige Anzahl von Spielenden dabei, kann QUARARO digital gestartet und echte Demokratie gespielt werden. Dafür wurden die digitalen Hilfsmittel in Pengueen um die Möglichkeit einer Abstimmung erweitert. Konkret unterstützt Pengueen vier Methoden demokratischer Abstimmungen, wie die Mehrheitsentscheidung, das systemische Konsensieren, den klassischen Konsens und die parlamentarische Vertretung.

Quararo Spieleransicht in Pengueen

Spieleransicht

Spielleiter_in in Pengueen

Ansicht Spielleiter

Feedback

„Als Team der RAA Berlin und im Namen der Jugendlichen freuen wir uns, dass unsere QUARARO Standorte das Spiel selbstständig weiterentwickeln. Für uns ist Bedburg und die Zusammenarbeit mit Pengueen ein gelungenes Beispiel des Crowdsourcings in der Demokratiebildung.“

Tanja El Ghadouini, Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration & Demokratie (RAA Berlin) e.V.

„Mit Pengueen haben wir einen Digital-Partner bei uns, der in der Lage ist, auf die spezifischen Ansprüche eines Projekts wie Bedburg lebt Demokratie individuell einzugehen.”

Jürgen Schmeier, Leiter der Stabstelle Soziale Stadt Bedburg

„Wir würden uns freuen, wenn auch die Jugendlichen bei ihrem Projekt für mehr digitale Teilhabe von Senioren auf Pengueen zurückgreifen“, so Jürgen Schmeier weiter. Pengueen biete dafür ideale digitale Werkzeuge, die sich schnell weiter anpassen lassen. Auch der sukzessive Ausbau eines Projektnetzwerkes sei ohne viel Aufwand möglich. So lassen sich mit Pengueen weitere Jugendliche und auch Lehrkräfte und weitere Zielgruppen einbinden.