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Kinder.Macht.Schule: digitaler Unterricht in der Stadt Bedburg

18. August 2022

Unkomplizierte Digitalisierung an Schulen mit Pengueen

Vor dem Unterricht werden die Smartphones eingesammelt, weil sie die Frontalpräsenz des Lehrers oder der Lehrerin stören könnten. Wie oft ist dieser Start in eine Schulstunde immer noch Alltag an deutschen Bildungseinrichtungen… Statt das elektronische Nachschlagewerk sinnvoll in das Thema des Unterrichts zu integrieren, wird es vielmehr verteufelt und ausgestoßen. Die Ursache ist in vielen Fällen sicher nicht bei den schier unendlichen Möglichkeiten des smarten Telefons zu suchen, sondern vielmehr bei der weniger bewanderten Lehrkraft, die in dem Gerät eher eine Bedrohung sieht denn eine Bereicherung.

Nun könnten die Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland in einer groß angelegten Fortbildung über Monate auf einen halbwegs aktuellen Stand in Sachen Digitalisierung gebracht werden. Leider schreitet selbst in dieser Zeit die Entwicklung weiter rasant fort und das gelernte Wissen ist rasch wieder veraltet. Deshalb kam die Macher von Pengueen auf die Idee, den Spieß einmal umzudrehen. Warum nicht einfach die Schülerinnen und Schüler zu Lehrenden machen? Schließlich sind die Kinder und Jugendlichen geübt im Umgang mit ihren Smartphones. Nur sie kennen die aktuellsten Trends, sie wissen was wie wo funktioniert.

So wurde aus dem ursprünglich mit Stephanie Schoenen vom IBIS Institut geplanten Netzlabor, in dem Schülerinnen und Schülern der Hauptschule in Bedburg die Gefahren des Internets vorgestellt werden sollten, schnell das genaue Gegenteil. Die Kinder haben den Erwachsenen einfach mal gezeigt, wie weit sie bereits sind. 

“Die leben das ganz anders, die wissen das alles. Die haben einige Fake-Accounts, zwischen denen sie aus Sicherheitsgründen locker hin- und herspringen und ihre persönlichen Daten ganz natürlich schützen”

Pengueen-Chef Sascha Landowski 

Dank der Flexibilität des IBIS-Instituts entstand deshalb kurzfristig das Projekt Kinder.Macht.Schule, finanziert über das Bundesprogramm Demokratie leben, mit dem Städte örtliche Projekte unterstützen können, die Demokratie fördernd sind. In Bedburg wurde daraus mit Kinder.Macht.Schule eine Basisdemokratie entwickelt, bei der die Kinder den Erwachsenen zeigen, wo es langgeht. Dafür arbeitet das IBIS-Institut mit Unterstützung von Pengueen daran, mit Schülerinnen und Schülern einen Unterricht nach ihrer Vorstellung zu realisieren.

Exkurs zur Individualpsychologie von Alfred Adler in den 1920er Jahren. Demnach ist ein Mensch stets gewillt, in einer Gemeinschaft zu leben und zu arbeiten. Adlers optimistische Lehre vom Menschen als sozialem Wesen rückt dessen Fähigkeiten in den Mittelpunkt, mit denen jeder Mensch der Gesellschaft etwas zurückgeben kann. Unterricht und Schule sollten deshalb nicht ein Manko adressieren, sondern möglichst auf Augenhöhe stattfinden. Aus der Unterlegenheit von Schülerinnen und Schülern könne in einer geschützten Lern-Umgebung ein positiver Antrieb im Wachstums- und Entwicklungsprozess erwachsenen. Es bilde sich ein Gefühl des Aufgehobenseins unter den Menschen, das Adler Gemeinschaftsgefühl nannte und das zu einem unbewussten Persönlichkeitsanteil wird.

Mit der 10a der Arnold-von-Harff-Schule in Bedburg wurde rasch eine Projektklasse gefunden, deren Klassen- und Vertrauenslehrer Andreas Trump das Experiment gern unterstützte, zum Beispiel bei der Stochastik. Die Jugendlichen sollten zur Wahrscheinlichkeitsrechnung alles recherchieren, was sie im Internet finden konnten. Dabei war die Suche nicht auf Google begrenzt. Vielmehr war alles aus dem Alltag der Jugendlichen erlaubt, bis hin zu TikTok, YouTube und Spiele wie World of Warcraft. “Dieser Wechsel des Blickwinkels ist sehr hilfreich, weil die Jugendlichen auf ihren Portalen sowieso täglich unterwegs sind. Deshalb wäre es absurd, ihnen nur eine bestimmte Plattform vorzugeben”, erklärt Sascha Landowski den Ansatz.

Projektsteckbriefe der teilnehmenden Kinder

Nach der Recherche wurden zunächst alle Ergebnisse gesammelt, gesichtet und gemeinsam ausgewertet. Danach sollten die Schülerinnen und Schüler überlegen, wie sie das Thema anhand ihrer Fundstücke den Mitschüler:innen erklären. Was ist Stochastik? Wo finden sich Wahrscheinlichkeiten? “Das ist doch genial”, freut sich Sascha Landowski, “plötzlich stellen die Jugendlichen fest, dass letztlich jeder Schritt und jeder Schuss in einem Computerspiel mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun hat.”

Gegenüber früher, als spezialisierte Schülerinnen und Schüler schnell als Nerds abgestempelt und gemieden wurden, gehen die Schülerinnen und Schüler aktuell ohne Scheu auf Expert:innen in ihren Reihen zu und lassen sich unbekannte Dinge gern erklären. Das erklärt sich Sascha Landowski mit dem Einfluss der Influencer bei TikTok oder Instagram: “Es wird als cool empfunden, wenn jemand etwas besser kann.” Dieser dezentrale, untereinander vernetzte Ansatz auf Augenhöhe entspräche der Digitalisierung und damit auch sehr gut der Plattform von Pengueen. 

“Wir stehen für Digitalisierung und ich finde es cool, dass wir dieses Projekt Kinder.Macht.Schule mit unserer Kompetenz unterstützen.”

Sascha Landowski, Gründer und Geschäftsführer von Pengueen

Entwicklungspotenzial: Die Flexibilität der digitalen Plattform von Pengueen kann in vielen Bereich einer Schule wertvolle Dienste leisten. So hilft bereits ein virtuelles Klassenbuch an anderen Schulen dabei, die Fehlzeiten der Schülerinnen und Schüler leichter zu erfassen und vor den Sommerferien auf Knopfdruck auszuwerten. Damit bleibt den Lehrkräften im Schuljahr mehr Zeit für ihren Unterricht. Über Pengueen können Schulen aber auch Krankmeldungen der Schülerinnen und Schüler leicht an die Lehrkräfte kommunizieren, die Hofaufsicht organisieren oder dafür sorgen, dass ein erkranktes Kind schnell von der richtigen Person aus der Schule abgeholt wird.

Logo

Über Kinder.Macht.Schule

Kinder.Macht.Schule ist ein Projekt im Rahmen des Aktionsfonds der Partnerschaft für Demokratie Bedburg. Entstanden aus dem Netzlabor arbeiten die Stadt Bedburg, die Plattform Pengueen sowie der Verein Integralis e.V. gemeinsam mit jugendlichen Expert*innen daran, Digitalisierung in Schule so voran zu bringen, wie die Schüler*innen es sich wünschen. Für Kinder und vor allem Jugendliche ist der Umgang mit den neuen Medien und Werkzeugen wie Smartphone, Tablets & co. Alltag. Die Komplexität der Anwendungen die sich der Nachwuchs aneignet und spielend bedienen kann, ist enorm. Im Projekt werden daher die Kinder gefragt: “Was braucht Ihr von uns, um mit digitalen Hilfsmitteln besser lernen zu können?”.